Die 7 Burgentour (Tag 1)
// August 29th, 2010 // No Comments » // Touren
Bin ich fertig…. Ich meine natürlich „Ich habe fertig“!
Was für eine wunderbare Tour das war! Ich habe eine so große Menge von Eindrücken bekommen, dass wahrscheinlich einmal drüber Schlafen nicht ausreichen wird um alles zu verarbeiten. Dennoch versuche ich einmal das ganze „nüchtern“ und mit gewissem Abstand zu betrachten (was mir nicht gelingen wird, es klingt aber so schön).
Früh ging es los am Morgen des 27 August. Um kurz vor 7 saß ich im Auto und machte mich auf den Weg zu „Knipperdolling07“ und „Xenios!“. Regen war angesagt und ich wurde schon das erste mal nass als ich meinen 11 Kilogramm schweren Rucksack in den Kofferraum meines Wagens gepackt hatte. Ich erinnere mich noch daran ein Stoßgebet gen Himmel geschickt zu haben. Ich wollte wenigstens sicher gehen alles versucht zu haben um die Tour trockenen Fußes laufen zu können. Mein Wagen kam zum stehen und zwei mehr oder minder ausgeschlafene Gestalten machten sich durch den Regen auf um Ihre Rucksäcke zu verstauen. Es konnte also losgehen!
Auf dem Weg zu unserem Zielort war die Autofahrt gespickt von schlechten Witzen und dem immerwährendem Blick gen Himmel. Auch die Gespräche beschränkten sich meist aufs Wetter und als wir durch den nächsten Starkregenschauer fuhren, fragten wir uns ernsthaft ob es Sinn machen würde die Tour zu laufen… Klarer Fall! Von der Rückbank kam nur eine Bestätigung und es wurde etwas von „Wir sind ja harte Kerls“ gemurmelt, die Stimmung war super! Vorbei an „Frankreich – Rödelheim“ (Achtung Insider) näherten wir uns also unserem Ziel: Schönau.
In dem kleinen Örtchen angekommen verschafften wir uns erstmal einen kurzen Überblick (viel Zeit war nicht, es war bereits kurz vor 12 und eigentlich wollte ich schon vor einer Stunde losgelaufen sein) und kehrten kurz in ein Gasthaus ein. Man schaute uns schief an als wir die Frage nach Getränken mit einem „Nein“ Quittierten und jeder eine kleine Pommes Majo bestellte… Nach wieder einer halben Stunde ging es nun also los, wir packten uns die Rucksäcke auf den Rücken, schlossen das Auto und schlugen unseren Weg die Hauptstraße entlang Richtung Station 1 ein.
Landschaftlich fand ich diese erste Etappe erstmal nicht ganz so besonders, ich fühlte mich eher wie bei einem Multi durchs Sauerland, gut der Boden war leicht rötlich und die Fichten waren Buchen aber ansonsten, es ging den Berg hoch und man sah Wald! Je Höher wir aber kamen umso schöner wurde es und mit jedem Höhenmeter fand ich die Landschaft faszinierender. Höhenmeter gab es einige und vor allem einige auf sehr kurzer Strecke. Meine Topo Deutschland zeigte uns nämlich Wege wo gar keine Wege waren und so blieb nur eins: Wir mussten mit den Rucksäcken durch den Wald die Böschung hoch auf den höher gelegenen Pfad. Schnaufend quälten wir uns also die Böschung hoch und waren (einmal oben angekommen) heil froh als es vorbei war, aber auch glücklich das wir mehr als eine Stunde Umweg einfach „umgangen“ hatten. Von hier aus ging es dann relativ zügig zur ersten Station: dem Teufelstisch! Kaum zu glauben was die Natur in Jahrhunderten zu formen vermag. Die Plakette war nach kurzer Suche gefunden und wir rasteten einen Moment, ehe es zur nächsten Etappe ging. Bis hier hin liefen wir übrigens bei bestem Wanderwetter! Es war leicht bewölkt, ab und an brach die Sonne durch und mit guten 19 Grad war es weder zu warm noch zu kalt.
Weiter ging es nun zur nächsten Station, die Wegelnburg war die erste Ruine die es zu erkunden galt und wir machten uns auf den Weg. Über unseren Köpfen zog sich der Himmel immer weiter zu und mit einem lauten Donnerschlag öffnete der Himmel seine Schleusen. Wir standen allerdings unweit einer Schutzhütte (es mag Schicksal gewesen sein) und konnten schön im trockenen den Regenschutz über die Rucksäcke legen und auch uns wetterfest verpacken. Kaum 10 Minuten später hörte es allerdings auf zu Regnen und die Sonne brach wieder durch die Wolkendecke. Wir schauten uns an, es war eine Mischung aus begossenem Pudel und Kleinkind zu Heiligabend. Wir hatten uns umsonst die Mühe gemacht uns komplett zu verpacken aber die Freude ob der Wetterbesserung überwog. Regenjacken wieder aus, Schutzhülle dran lassen und weiter ging´s, vorbei an bizarr wirkenden Felsformationen durch Nebelfelder den Berg hinauf zur Burgruine. Hier stellte ich mir das erste mal die Frage wie man hier oben eine solche Burg errichten konnte, ohne LKW, Züge oder Hubschrauber. Ehrfürchtig setzte ich meine Schritte die Treppe hinauf und wurde von der schieren Aussicht fast umgehauen, toll! Schnell noch die Plakette mit den nächsten Koordinaten gesucht und weiter gings; Station 3 Hohenburg.
Das war die Etappe die ich von allen am schwierigsten fand. Man hätte vielleicht erahnen können, dass die Hohenburg ihren Namen nicht deswegen bekommen hatte, weil sie im Tal lag, ich blendete diese Tatsache aber konsequent aus bis der Aufstieg kam. Der hatte es in sich und mit fast 11 Kilo Gewicht auf dem Rücken kam einem der Berg schier endlos vor. Hier bekam auch der Satz „Dieser Weg hier ist aber schöner“ eine völlig neue Bedeutung. Wir folgten dem „Pfälzer Mythenweg“, es war eher ein Trampelpfad, zur Burg. Knipperdolling07 prägte den Satz „Dieser Weg ist schöner“ dahingehend, dass wir die Wahl zwischen einem ausgebauten Weg und dem „Mythenweg“ hatten. Er entschied mit eben diesem Satz den schmalen Pfad zu wählen und während wir uns schnaufend den Berg hoch schleppten ließen „Xenios!“ und ich diesen Satz in regelmäßigen Abständen fallen „Oh ja…wirklich schön dieser Weg“ oder „Jaja wie schön dieser Weg doch ist“. Im nachhinein muss ich wohl Beipflichten das der Weg Landschaftlich wirklich mehr zu bieten hatte als der ausgebaute Wanderweg, mit Gepäck auf dem Rücken und klitschnass durch den Schauer der über die Wälder niedergegangen war hatte ich aber in dem Moment so gar kein Auge dafür. Oben angekommen wurden wir aber wieder mit einem imposanten Bauwerk und herrlichster Aussicht belohnt. Es kündigte sich jedoch ein weiterer Regenschauer an und wir beschlossen schnellstens weiter zu laufen. Kurz vor der französischen Grenze gab der Himmel dann aber noch mal alles und wir suchten Schutz unter dem ausladenden Blätterdach der zahllosen Buchen. Nach etwa 15 Minuten verzog sich aber auch dieser Schauer und wir blieben den Rest des Tages trocken, frohen Mutes überquerten wir die Grenze nach Frankreich, an der Ruine Löwenstein vorbei in Richtung Burg Fleckenstein (Station 4).
Kaum über der Grenze schien die Sonne. Es war wirklich wie verhext! Die roten Steine der Felsformationen schimmerten unter der Sonne und unsere Kleidung trocknete schnell. Die Stimmung, die aufgrund des Regens etwas gelitten hatte wurde wieder besser und die ersten flachen Witze wurden wieder zum besten gegeben. Über den „Pfälzer Felsenpfad“ der mit einigen interessanten Felsformationen und einem herrlichen Weitblick zu einem „dieser Weg ist schöner“ Weg wurde ging es weiter Richtung Fleckenstein. Man sollte allerdings aufpassen wenn man diesen Weg wählt, überall stolpert man über Wurzeln und mit Moos bedeckte Steine laden geradezu dazu ein sich ordentlich die Knochen zu brechen. Wir freuten uns darauf an der Ruine ein Weizenbier trinken zu können, als wir allerdings ankamen war schon niemand mehr zu sehen. Es war kurz nach 18:00 Uhr und alles was sich hier befand war bereits geschlossen, da soll mal jemand sagen nur die Deutschen wären pünktlich! Ein einsamer Angestellter verschloss noch Wortlos die Tür, würdigte uns keines Blickes und fuhr mit seinem Auto davon, nett sind sie schon die Franzosen, da gibt’s ja nichts! Wir rasteten einen Augenblick wobei das Weizenbier eben durch Wasser ersetzt wurde und machten uns auf in Richtung Ruine. Es war schon merkwürdig, zuvor hatten wir keine Menschenseele gesehen und konnten jede Burg betreten ohne auf irgendwelche Grenzen zu stoßen, hier war alles zu gestellt mit Schildern, die Ruine war umzäunt und Eintritt sollte man auch noch zahlen. Nur gut dass wir wenigstens von Bussladungen voller sauerländischer Touris mit Kameras verschont blieben und die Plakette in Ruhe gesucht und gefunden werden konnte. Von hier aus ging es nun eine ganze Weile bergab in Richtung Froensbourg (Station 5).
Berg ab, nach den Kilometern die wir zurückgelegt hatten war fast noch anstrengender als die Etappen die wir hoch mussten. Der Rucksack drückte einen regelrecht den Berg hinunter und die Knie gaben hier und da auf dem weichen Boden nach. Wie froh waren wir als wir die D925 erreichten und wir einige Meter geradeaus laufen konnten nur um dann den nächsten Berg hinaufkrachseln zu können. Hier empfehle ich wieder „die schöneren Wege“ zu nehmen, man kürzt damit gut und gerne einen Kilometer ab, auch wenn die Aufstiege wohl etwas härter ausfallen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Nachtlager, erst wurde noch die Plakette gesucht und die Koordinaten notiert ehe wir uns in der oberen Felsenkammer niederließen, über das Erlebte philosophierten und unser Nachtlager herrichteten. Es war geschafft! Das Essen wurde erwärmt und wir genossen die Ruhe…
Es hatte wieder angefangen zu regnen (stärker als den ganzen Tag über) und wir waren heil froh die Ruine rechtzeitig erreicht zu haben. Die Stille wurde gegen 22 Uhr gebrochen als sich noch 8 andere Wanderer den Weg zur Ruine bahnten, diese waren im strömenden Regen unterwegs gewesen und sichtlich erleichtert nun auch ein trockenes Plätzchen gefunden zu haben. Nach einem kurzen Plausch über die Region und das Erlebte stiegen sie aber wieder hinab in die unteren Felsenkammern und wir ließen uns nieder. Der Nachtcache fiel sprichwörtlich ins Wasser und irgendwie war ich da gar nicht mal böse drum. Gegen 0:00 Uhr löschten wir die Lichter und schliefen zügig ein. Der erste Tag der 7 Burgentour war gemeistert und das Wetter hatte (mit kleineren Ausfällen) gehalten.

